Im Leben eines Mädchens sind die Tage angefüllt mit Ereignissen, die banal zu sein scheinen, es in Wirklichkeit aber nicht sind.

Es häufen sich die bewussten wie unbewussten Versuche der Umwelt, das Kind auf die Mädchenrolle festzulegen. Aus der Summe solch alltäglicher Erfahrungen ergibt sich für das Kind ein Muster, nach dem es sein Verhalten ausrichtet.

Davon handelt diese Seite.

 
 
Einleitung | Kontakt | Gratis Ebook
Home arrow Prolog arrow Der Junge wird bevorzugt




Der Junge wird bevorzugt

Für die Bauern war es früher schwierig, viele Töchter zu haben, weil sie eine Mitgift erhalten mussten und eine Belastung für die Haushaltskasse darstellten.

Die Zeiten haben sich geändert.

Hast Du drei Töchter im Haus, so bleibt es sich gleich, ob du bei offenen Türen schläfst, oder auch nicht, denn sie nehmen ja doch einst alles mit.

Sprichwort aus Korea
Heute schließen die Familien anstatt einer "Aussteuer-Versicherung" eine Ausbildungs-Versicherung für die Töchter ab und lassen sie einen seriösen Beruf lernen oder studieren.
Die Mädchen können, genau so gut wie ihre Brüder, etwas lernen, Geld verdienen, für sich selber sorgen. Tatsache ist, dass die Frauen heutzutage im Schnitt  besser ausgebildet sind als die Männer.

Das Problem der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Tochter in Bezug auf die Familie ist weggefallen - da sollten wir doch annehmen, dass die Geburt einer Tochter Jubelrufe zur Folge hat.
Gerade, weil sie ein produktives Wesen ist, bereit zu arbeiten und Geld heim zu bringen, sich dazu noch um die Hausarbeit kümmert, auf die ja jedes weibliche Wesen getrimmt ist, und die im Leben nicht mehr aufhört.

Die Frau ist voller unglaublicher Energien, von beneidenswerter Stärke und Ausdauer, denn sie schafft, wozu kein Mann jemals genügend Vitalität hätte: eine Arbeit in drei Schichten, die aus der Hausarbeit, der Berufstätigkeit und aus der Geburt und Erziehung der Kinder besteht.

 
Wem der Teufel ein Ei in die Wirtschaft gelegt hat, dem wird eine hübsche Tochter geboren.

Schiller, Kabale und Liebe
Aber: bei der Geburt eines Mädchens wird überhaupt nicht gejubelt ... Der ersehnte Nachwuchs bleibt immer ein Junge. In manchen Ländern, z.B. in Indien und China, werden weibliche Föten gezielt abgetrieben.Eine Umfrage in den USA ergab 1994, dass sich

86% der Männer und knapp 60% der Frauen einen Sohn wünschen, wenn sie nur ein Kind hätten.

Formen der extremsten Bevorzugung von Söhnen - die Tötung weiblicher Föten und Säuglinge - sind zuverlässig nur für wenige Länder dokumentiert. Die Vernachlässigung von Mädchen - durch Unterernährung, die Verpflegung mit weniger nahrhaften Lebensmitteln oder durch Vorenthaltung medizinischer Versorgung - ist eine übliche, weitverbreitete, überall existierende Form der Bevorzugung von Söhnen.

In ihrem Buch "Typisch Mädchen" schreibt Marianne Grabrucker:

Ich sitze mit einer Freundin, die ihr zweites Kind. Der Kinderarzt ist der Szene-Arzt in München. Er wird zu den Hausgeburten hinzugezogen, und alle schwärmen von seiner alternativen Art, mit Kindern umzugehen. Die Tür geht auf, der "Herr" Doktor betritt den Raum und begrüßt meine Freundin strahlend mit den Worten: "Na, meine Glückwünsche. Ist ja wieder alles gut gegangen. Ist das jetzt nicht ein besonders schönes Gefühl, als Frau einem Mann das Leben geschenkt zu haben?"

Ich stehe daneben und bin bloß die Mutter einer Frau. Auch bei meiner Tochter nahm er die erste Neugeborenenuntersuchung nach der Hausgeburt vor. Ob er wohl alle Neugeborenen gleich behandelt, frage ich mich jetzt?

Ja, wirklich eine gute Frage! Die Antwort lautet NEIN. Frauen werden von den "Göttern in Weiß"  von der Wiege bis zur Bare "anders" behandelt. Siehe unter  Scherzkommunikation im gynäkologischen und geburtshilflichen Bereich .

In der Süddeutschen Zeitung Nr. 126, 1998, Seite 26 fand ich folgenden Beitrag (gekürzt):

Herzen von Frauen benachteiligt
Unabhängig von der Diagnose erhalten Frauen mit Herzrhythmusstörungen technisch weniger ausgereifte Herzschrittmacher als ihre männlichen Leidensgenossen. Dies geht aus einer Studie der Universitäten Ulm und Gießen hervor, die in der Fachzeitschrift British Medical Journal veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler analysierten über 15 000 Patientenakten der Jahre 1992 und 1993. Die technisch aufwendigeren Zweikammer-Systeme, sowie solche Schrittmacher, die ihre Leistung an die Herzfrequenz und den Bedarf adaptieren, wurden den Patientinnen um rund 20 Prozent seltener eingepflanzt als den Männern.

Warum trotz ärztlicher Richtlinien über die Verwendung der verschiedenen Implantate Frauen die preiswerteren Einkammer-Systeme erhielten, konnten die Forscher nicht erklären. Auszuschließen sei nicht, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechtes zweitklassig behandelt werden.
Tragen Mädchen neuerdings so häufig diese lästigen, gehassten Zahnspangen, weil die Zahnärzte das medizinisch wirklich für notwendig halten oder weil Frauen schön sein müssen oder weil die Kassen es bezahlen? Oder: wieso sehe ich so selten Jungs mit Zahnspangen? Werden sie ihnen erspart?

Warum werden die Jungen bevorzugt?
 
< Zurück   Weiter >

Mehr von Hannelore Vonier