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Zweitausend Jahre lang ist der "Vater", der pater familias, Träger der Macht und er
erträgt den Gedanken nicht, dass mit dem Ende seines Lebens auch das Ende
seiner Macht kommt. Er will diese Macht auf ein Wesen übertragen, das ihm
ähnlich ist.
Der die Macht hat, ist von Ansehen und Prestige umgeben, steigt zum Symbol
auf, hat das Recht und die Pflicht, sich selbst maximal zu verwirklichen.
Von ihm wird erwartet, dass er ein Individuum wird. Er wird für das geschätzt,
was er sein wird.
Von der Frau dagegen wird erwartet, dass sie ein Objekt wird. Sie wird für
das geschätzt, was sie geben wird.
Das sind zwei völlig verschiedene Ziele!
Das erstere beinhaltet die Möglichkeit, alle Quellen auszuschöpfen, die in
der Person selbst bzw. in der Umwelt liegen, um sich in der Einzigartigkeit
seiner Persönlichkeit zu entfalten.
Das zweite verlangt die Aufgabe jeglicher eigener Pläne, und
die Umwandlung aller eigenen Ideen und Energien, so dass andere einen Nutzen
davon haben.
Die Welt ruht auf dieser geballten Energie der Frauen. Sie stellt ein
unerschöpfliches Reservoir für alle diejenigen dar, die damit ihre eigene Sucht
nach Macht verwirklichen.
Die Geburt eines Jungen, ganz besonders, wenn es das erste Kind ist, ist für
den Vater seine eigene Vergötterung, ein Triumph!
Väterliche Männlichkeit, die Männlichkeit produziert - fleischgewordene
Perfektion!
Heutzutage wünschen sich Eltern normalerweise zwei Kinder: das erste soll ein
Junge, das zweite ein Mädchen sein.
Wenn das erste unglücklicherweise ein Mädchen wird, so muss das zweite
wenigstens ein Junge werden. Wenn das erste ein Junge wird, ist trotzdem ein
zweiter Junge willkommen. Aber sollten zwei Mädchen auf die Welt kommen, so ist
das zweite auf jeden Fall eine Enttäuschung.
An diesem Punkt gleitet das Programm außer Kontrolle, die Planzahl "zwei"
wird durch "drei" ersetzt und die Hoffnung auf einen Jungen wird dringlicher,
gespannter.
Wenn einer kommt, ist das Spiel zu Ende, wenn nicht, eskaliert die
problematische Situation und Panik bricht aus.
Die Entscheidung, keine Kinder mehr zu haben und dem Wunsch, den so lange
ersehnten Jungen doch noch zu machen, ist hart. Wie viele Mädchen verdanken wohl
ihre Existenz dem verzweifelten Versuch, eine Jungen zu zeugen!
Und wie viele wurde unter falschen Vorwänden abgetrieben -
mitten in Deutschland?
Dieser erbitterte Wunsch, Kinder verschiedenen Geschlechts zu haben - wobei
der Junge klar bevorzugt wird - hätte überhaupt keine Berechtigung, wenn die
Erwartungen der Eltern an Mädchen und Jungen nicht so grundverschieden wären.
Tatsächlich würde die Frage, ob Junge oder Mädchen jegliche Bedeutung verlieren,
wenn die Eltern das einzelne Kind nicht als FUNKTION, sondern als individuelle
Persönlichkeit respektieren könnten, die mit ganz bestimmten Möglichkeiten
ausgestattet ist, und der sie soviel wie möglich helfen müssen, damit sie sich
in ihre Richtung entwickelt.
Little Macho
Der Junge wird um seiner selbst willen geliebt, wegen des Prestigegewinns
seiner Geburt für die Familie, wegen der Autorität, die er in der Familie und
außerhalb einmal haben wird, wegen seiner Leistungen, die er einmal vollbringen
wird.
Das Mädchen ist überhaupt nur dann erwünscht - und das nicht immer - wenn es
die Eigenschaften erfüllt, die von Mädchen erwartet und verlangt werden, weil
sie für die Eltern selbst bequem sind:
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Dein Sohn ist dein Sohn für heute, aber deine Tochter ist
deine Tochter für immer.
Aus Irland
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Der Sohn ist eine Stütze des Vaters, die Tochter eine
Zierde des Hauses.
Baschkirisch
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Wer Töchter hat, hat eine Familie; wer Söhne hat, hat
Fremde.
Aus der Tschechoslowakei
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Mädchen sind zärtlicher (die Eltern erwarten, mehr geliebt
zu werden, denn Jungen sind "überhaupt nicht zärtlich")
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sie sind dankbarer (hier zeigt sich die horrende Erpressung
gegenüber Mädchen, von Jungen wird nie Dankbarkeit verlangt)
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sie sind hübsch und süß (ein Gegenstand, ein Ding, zum
Anschauen, um damit zu spielen)
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es macht Spaß sie anzuziehen (sie zählen nicht für das, was
sie sind, sondern für das, was sie hermachen; nicht ihre Intelligenz ist
wichtig, sondern ihre Schönheit)
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sie leisten uns zuhause Gesellschaft (von einem Jungen wird
nicht erwartet, dass er der Mutter, dem Vater, Gesellschaft leistet. Sobald
er kann, geht er von zuhause fort.
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sie helfen frühzeitig schon bei der Hausarbeit (von Jungen
wird allgemein keine Hilfe erwartet, sie werden sogar teilweise daran
gehindert = unmännlich)
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Obwohl doch die Frau als so zärtlich, süß, entgegenkommend und
arbeitsam eingeschätzt wird, obwohl es billiger kommt ein Mädchen aufzuziehen,
gilt es allgemein als schwierig, Mädchen zu erziehen.
Warum???
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