Im Leben eines Mädchens sind die Tage angefüllt mit Ereignissen, die banal zu sein scheinen, es in Wirklichkeit aber nicht sind.

Es häufen sich die bewussten wie unbewussten Versuche der Umwelt, das Kind auf die Mädchenrolle festzulegen. Aus der Summe solch alltäglicher Erfahrungen ergibt sich für das Kind ein Muster, nach dem es sein Verhalten ausrichtet.

Davon handelt diese Seite.

 
 
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Neugeboren - Bedürfnisse und erste Begegnungen

Das erste Element zur Unterscheidung von Mädchen und Jungen, das symbolischen Wert hat, ist die Farbe der Babyausstattung, einschließlich der Geburtskarten, die die Eltern verschicken.

Selbst Eltern, die neutrale Farben für ihr Baby wählen, können sicher sein, dass sie niemals etwas in Rosa für einen kleinen Jungen geschenkt bekommen, wogegen ein Mädchen auch schon mal etwas Blaues tragen darf, wenn es ein muss.

Lust auf Schabernack?Schicken Sie doch zum Spaß mal rosa Karten, wenn Sie einen Sohn ankündigen. Da wird Ihr Telefon vor Empörung und Verwirrung heiß laufen! Alle denken, dass es sich um ein katastrophales Versehen handeln muss.
(Mit so was spaßt mann nicht!)

Rosa ist für Buben streng ausgeschlossen, aber für Mädchen erwünscht, obwohl sich Jungen und Mädchen in diesem Alter von der Physiognomie her nicht unterscheiden.

Eine Studie hat folgendes ergeben: Wenn weibliche Babys blau gekleidet wurden, haben die Testpersonen, Männer wie Frauen, die Kinder fest gepackt, in die Luft geworfen, sie gekitzelt und geneckt, es wurde laut mit ihnen gelacht und normal mit ihnen gesprochen.

Die männlichen, rosa gekleideten Babys wurden zärtlich im Arm gewiegt, die Testpersonen sangen ihnen etwas mit leiser Stimme vor, sie wurden gestreichelt, vorsichtig gehalten, als könnten sie zerbrechen und es wurde gedämpft mit ihnen in Babysprache geredet.

Nun, das Geschlecht eines angekleideten Babys ist nicht zu erkennen. Wie soll da eine Konditionierung stattfinden, die eine scharfe Trennung zwischen den Geschlechtern anstrebt?

Das Geschlecht muss optisch gekennzeichnet werden.

Auch was die Ausstattung des Kinderzimmers betrifft, haben die Erwachsenen erst Ruhe, wenn sie das ganze Zimmer so hergerichtet haben, wie es eben für ein Mädchen oder für einen Jungen angebracht ist. Hier zeigt sich unverhüllt, dass sich die Leute sehr im Klaren darüber sind, dass ein frühzeitiges Eingreifen notwendig ist, wenn später beim Kind das gewünschte Verhalten erzielt werden soll.
"Sonst wird es kein richtiger Junge."
"Sonst wird es kein richtiges Mädchen."
Und das soll (muss) es aber doch ... um jeden Preis!


All das macht klar, dass sich die Menschen sehr bewusst darüber sind, dass die Geschlechtsidentität nicht ein für alle mal durch den biologischen Unterschied festgelegt ist, sondern dass diese Identität vom Kind über unsere Kultur, über die soziale Gruppierung, der es angehört, gewonnen wird.

Schauen wir uns aber doch mal an, wie das alles aus dem Blickwinkel des Neugeborenen ausschaut.
In den ersten zwei bis drei Lebenswochen gibt es bei dem kleinen Kind noch keine deutliche Abgrenzung zwischen Schlaf- und Wachzustand. Da das Kleine noch nicht die Fähigkeit besitzt, Gegenstände der Umgebung wahrzunehmen, ist es auch nicht zu zielgerichteten Aktivitäten fähig. Die Bewegungen, die es vollzieht - Öffnen des Mundes, Hin- und Herwenden des Kopfes, Schreien - hängen lediglich mit Instinkt- und Reflexmechanismen zusammen.

Bei der Befriedigung aller seiner Bedürfnisse, wie Nahrung, Bewegung, Wärme, hängt es total von den Erziehungspersonen ab.

Der Kontakt des Neugeborenen zur Umwelt wird geprägt durch die spezifische Art der Befriedigung seiner primären Bedürfnisse.

In diesen Bereichen der Befriedigung der primären Bedürfnisse und des Beginns der Wahrnehmung äußerer Reize spielen sich für das Kind die ersten Begegnungen mit den Erziehungspersonen ab.

  • Hier werden die geschlechtsspezifischen Erwartungen der Erziehungspersonen geltend gemacht
  • Hier beginnt die Konditionierung des Kindes
  • Hier werden Fähigkeiten und Eigenschaften des sozialen Geschlechts angelegt
  • Hier werden geschlechtsspezifische Erfahrungen vermittelt

Wie geschieht das denn? - Lesen Sie weiter!

 
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