Im Leben eines Mädchens sind die Tage angefüllt mit Ereignissen, die banal zu sein scheinen, es in Wirklichkeit aber nicht sind.

Es häufen sich die bewussten wie unbewussten Versuche der Umwelt, das Kind auf die Mädchenrolle festzulegen. Aus der Summe solch alltäglicher Erfahrungen ergibt sich für das Kind ein Muster, nach dem es sein Verhalten ausrichtet.

Davon handelt diese Seite.

 
 
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Die Mutter und das neugeborene Mädchen
Ein Baby hat enorm oft verschiedene Bedürfnisse und einige davon sind so brennend, so unaufschiebbar, dass es schreckliche Qualen leidet, wenn sie nicht befriedigt werden.

Das ist das Feld, auf dem es mit der Mutter zusammenkommt.

Und genau die Art und Weise, wie die Mutter diesen Kontakt gestaltet, bestimmt von Anfang an die Gewohnheiten, die schmerzlichen und lustvollen Erfahrungen und die Konditionierung des Kindes.

In den ersten Lebenswochen ist für das Neugeborene die Haut das wichtigste Organ für die Aufnahme von Reizen.

In einem experimentellen Versuch erhielt eine Gruppe von Heimkindern 10 Wochen lang täglich 20 Minuten mehr Hautkontakt mit der Bezugsperson. Diese Gruppe konnte eine wesentlich höhere Zunahme ihrer Wahrnehmungs- und sozialen Fähigkeiten erreichen als die Vergleichsgruppe.

Werden also Kinder in der Neugeborenenperiode durch Hautkontakt stimuliert, so haben sie weit bessere Bedingungen für ihre Entwicklung.

Nun ein paar Zahlen aus Untersuchungen zu zwei Beobachtungszeitpunkten:

  • Jungen im Alter von drei Wochen werden von ihren Müttern im Zeitraum von acht Stunden durchschnittlich 27 Minuten länger als die Mädchen aus dem Bett und in die Arme genommen.

Diese Differenz hält an, und im Alter von drei Monaten ist sie zwar geringer, beträgt aber immer noch 14 Minuten pro acht Stunden zugunsten der männlichen Säuglinge.

Es gibt diesbezüglich keine Untersuchungen über das Verhalten von Vätern, aber es wird angenommen, dass es sogar gravierender ist, weil neuere Studien in anderen Entwicklungsstadien zeigen, dass sich Väter in Bezug auf die Geschlechterrollen-Erziehung noch konservativer verhalten als Mütter.

Nein, nein, das ist noch lange nicht alles!

Geschlechtsspezifische Differenzen in der Behandlung des Neugeborenen zeigen sich auch

  • im Bewegungs-Bereich

Die Einschränkung auf diesem Gebiet , z.B. durch Strampelsack, Festbinden u.a., die Bewegung wie Kriechen und Krabbeln verhindert, beschneidet das Kind in der Wahrnehmung seiner Umwelt. Es kann dadurch nicht in dem Maße Erfahrungen sammeln, wie eine günstige intellektuelle Entwicklung es erfordert.

Wie durch Studien belegt wurde, werden auch hier Mädchen nachteilig behandelt und in ihrer Motorik eingeschränkt ("Sonst werden sie zu wild!"). Diese Behinderung der weiblichen Säuglinge wirkt sich auf die Reflextätigkeit negativ aus. Die Mädchen werden und wirken passiver.
Jungen werden durch die erhöhte Bewegungs-Stimulierung lebhafter.

  • beim Stillen

Im Schnitt werden weibliche Babys mit drei Monaten entwöhnt,
die Zwiemilchernährung beginnt bei eineinhalb Monaten.
Buben werden über vier Monate gestillt und die Zwiemilchernährung dauert bis zum achten Monat.

Die Dauer der Mahlzeiten im Schnitt:

  • an der Brust: Mädchen 25 Minuten, Jungen 45 Minuten
  • an der Flasche: Mädchen 8 Minuten, Jungen 15 Minuten

Der intime körperliche Kontakt zwischen Mutter und Kind beim Stillen, (wenn Sie bedenken, wie oft ein Kind ja gestillt wird) vermittelt ihm die tief greifende Bedeutung, die es für die Mutter hat, des Platzes, den es bei der Mutter und somit in der Welt einnimmt.

Steht ihm die ständige Bereitschaft der Mutter zur Verfügung? Werden seine Bedürfnisse, sein Rhythmus, akzeptiert? Durch dieses Akzeptieren des kindlichen Körpers durch die Mutter entsteht die Selbstachtung, das Selbstbewusstsein, das wir bei Frauen so wenig finden und von dem Männer oft im Übermaß haben.

Der nachweisbare Unterschied in der Stilldauer bei Mädchen und Jungen ist auf die Häufigkeit der Pausen zurückzuführen, die die Mutter dem Jungen während des Stillens zugesteht.

  • Das ist der Vorgang: Babys saugen zunächst drei- bis viermal und machen danach eine Pause zum Hinunterschlucken.

Da der Vorgang des Saugens nicht nur die Gesichts- und Mundmuskeln beansprucht, sondern den ganzen Körper des Kindes anspannt, der mit vollem Energieeinsatz mitwirkt, ist das Saugen für das Baby äußerst anstrengend und zwingt es oft dazu, wieder Atem zu holen und Kräfte zu sammeln.
Die Dynamik des Saugens und Schluckens können wir als Erwachsene nachvollziehen, aber wozu die lästigen Pausen? Reine Zeitverschwendung, gewollte Faulheit. "Es ist sehr faul", sagen die Mütter oft, wenn sie das Wesen, das von ihnen gefüttert wird, nur autoritär sehen.

Dem Kind die Freiheit zuzugestehen, sich auszuruhen, bedeutet, es als eine Persönlichkeit anzuerkennen, die durch ihren eigenen Rhythmus, durch ihre individuellen Bedürfnisse gekennzeichnet ist.

Gerade in diesen ersten, scheinbar unbedeutenden Zugeständnissen an ihre Autonomie zeigt sich der Respekt der Erziehungsperson.

Der schnelle Ablauf der Mahlzeiten bei kleinen Mädchen ist auf das wiederholte Drängen der Mütter zurückzuführen. Sie signalisieren mit allen Mitteln: "Beeil dich".

Ja, aber WIE machen sie das??

 
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