Im Leben eines Mädchens sind die Tage angefüllt mit Ereignissen, die banal zu sein scheinen, es in Wirklichkeit aber nicht sind.

Es häufen sich die bewussten wie unbewussten Versuche der Umwelt, das Kind auf die Mädchenrolle festzulegen. Aus der Summe solch alltäglicher Erfahrungen ergibt sich für das Kind ein Muster, nach dem es sein Verhalten ausrichtet.

Davon handelt diese Seite.

 
 
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Was wird aus den vom Vater geschändeten Kindern?

Kinder beiden Geschlechts werden in den allermeisten Fällen erstmals vom eigenen Vater geschändet, manchmal später auch von anderen Männern - aber da ist der Schaden schon passiert. Die Kinder erleben den Inzest als Trauma. Wie gehen sie in ihrem weiteren Leben damit um?


Für betroffene Buben bedeutet diese Traumatisierung etwas völlig anderes und führt zu anderen Verhaltensformen als bei Mädchen. Jungen richten gemäß ihrer von der Gesellschaft definierten und aufgezwungenen Rolle die selbst erlebten Aggressionen nach außen, auf andere.

Bei Mädchen ist es anders. Sie richten die aggressiven Erfahrungen gegen sich selbst, das entspricht ihrem Rollenklischee.

Würden Körperverletzungen gegen sich selbst genauso vom Gesetzgeber bestraft wie gegen andere, dann wären die Gefängnisse mit mehr Frauen besetzt. So sind es weniger als 8%.

Das Endprodukt sexualisierter Gewalt gegen Mädchen ist immer eine Frau, die die Schuld für ihr Versagen, ihr Zukurzkommen, ihre Benachteiligung, die Demütigungen usw. bei sich selbst sucht.

Sie kann nicht wissen, dass es allen weiblichen Menschen genauso geht, sonst würden Frauen und Mädchen mehr Trost bei anderen suchen, was sehr unterstützend und erleichternd sein kann. Sie sieht nur, dass es auch andere gibt, die scheinbar nicht selbst an etwas Schuld sind: Jungen, bzw. Männer, wobei der geschlechtliche Zusammenhang für ein kleines Mädchen nicht erkennbar ist.
Wie sollte auch ein junges Mädchen diese geschlechtsspezifische Gesellschaftsanalyse zustande bringen, die ältere, erwachsene Frauen zum Großteil nicht schaffen!


Das Mädchen nimmt ihre Benachteiligung wahr und sucht die Schuld, den Fehler bei sich - und kann natürlich nichts entdecken!

Erfährt sie nun sexuelle Schändung durch den Vater (oder Stiefvater, Großvater, großen Bruder) zusätzlich zu ihrer ohnehin diskriminierenden Behandlung, bekommt das Mädchen die "Bestätigung", dass sie "irgendwie falsch" ist.
Denn der Vater beschwört die Tochter, "alles" geheim zu halten. Weil er sie lieb hat (das sagt er ihr ja und deshalb machen sie diese Sachen), will er nicht, dass "es" herauskommt.

Er beschützt sie in ihren Augen, damit ihr Versagen, ihr Fehler, nicht aller Welt offenbar wird.

Besonders der Mutter nicht, von der Töchter überwiegend ohnehin keine Anerkennung bekommen. Da stünde die Kleine ja noch schlechter da!

Das Mädchen weiß natürlich immer noch nicht, was dieser Fehler sein könnte (weil ja auch keiner vorhanden ist) und hält sich für dumm, unfähig, minderwertig, weil sie nicht durchblickt.

Das läuft natürlich alles unbewusst ab. Was ist die Konsequenz, um aus einer solch verfahrenen Situation herauszukommen?

Die meisten Mädchen/Frauen "flüchten".

D.h. Manche werden verrückt, "hysterisch", hören Stimmen, sind zutiefst depressiv, schlagen um sich, bekommen Schreianfälle etc. - sie werden in eine Anstalt gebracht.

Manche nehmen Drogen - Rauschmittel, Tabletten oder Alkohol, um sich zu betäuben, damit sie die schmerzhaften Gefühle nicht mehr spüren.
Die Gesellschaft spielt mit: Tablettensucht ist für Ärzte eine Dauereinnahmequelle, Alkohol ist kinderleicht zu beschaffen, Rauschgift ist sehr wirkungsvoll, aber teuer, jedoch ist für ein junges Mädchen jederzeit Nachfrage auf dem (Kinder-)Strich - von den Vätern anderer Töchter... und den "Job" hat sie als Geschändete ja gelernt.

Und da sind wir bei einer weiteren Gruppe: den Prostituierten.
Diejenigen, die nicht resigniert in eine Traum- und Dämmerwelt flüchten, sind noch nicht fertig mit der Welt: sie wollen es schaffen! Sie wollen auch einmal Macht und Anerkennung.
"Wer zahlt, schafft an" heißt das Sprichwort; in einer perversen Nuttenwelt gehen die Frauen "anschaffen" und bekommen eine Nacht oder eine Nummer lang die Macht, die Anerkennung, das Geld.

Aber vielleicht stimmt das Sprichwort ja doch und die Nutten sind diejenigen, die drauf zahlen, bei allem, was sie zu bekommen glauben...

Heutzutage schließen sich Prostituierte zusammen und wollen, dass ihre Arbeit als Beruf anerkannt wird.
Das Positive daran: Frauen solidarisieren sich.
Das Fragwürdige: Beruf kommt von Berufung.

Glauben Sie, dass ein gesundes, starkes, selbstbewusstes Mädchen à la Pippi Langstrumpf, den Wunsch hat, mit ihrem eigenen Körper Handel zu treiben? Das kann nur eine, die ihren Körper nicht fühlt und auch keine Freude daran hat. Die ihren Körper empfindet wie ein Stück Holz.

Eine, die kein Bewusstsein für sich selbst hat (Selbstbewusstsein), die sich selbst nicht für wertvoll hält (Selbstwertgefühl), die unsicher mit ihren Gefühlen und ihrem Körper ist (fehlende  Selbstsicherheit).

Aber es gehen nicht alle Geschändeten, die nach Macht und Anerkennung suchen "auf die Straße"? Die meisten dieser Gruppe werden Eheprostituierte: mit Krankenversicherung und Rentenanspruch. Ansonsten ist der Status gleich.


Manche geschändeten Mädchen wollen überhaupt nicht mehr mitspielen in diesem Scheißspiel, weder in Träume abdriften, noch in eine Pseudo-Anerkennung: sie versuchen mit dem Leben aufzuhören. Sich peu à peu zum Verschwinden zu bringen: mit Magersucht.

Selbstzerstörerisch.

Sie beginnen damit in einem Alter, wo sie endlich den Durchblick bekommen!
Nicht, indem sie ihren eigenen Fehler, ihr eigenes Defizit, ihre persönliche Schuld, endlich herausfinden, sondern sie kapieren während ihrer Pubertät, dass sie mit ihrem Geschlecht keine Chance, keinerlei positive Aussichten haben.

Da liegt die Frage auf der Hand: "Wozu weiterleben?" "Wozu weiteressen?" "Wozu diesen Körper behalten?"


Kinder können sehr gut zwischen Fiktion und Realität unterscheiden. Genauso wie eine Dreijährige Prinzessin spielt, aber exakt weiß, dass sie keine ist, weiß eine Dreizehnjährige, dass sie nicht ein mageres Model wie Kate Moss ist und es auch nie sein wird.

Wird aber Magersucht bei Teenagern mit Supermodels in Zusammenhang gebracht, dann werden Realität und Phantasie vermischt.
Klar zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden ist eine Fähigkeit, die die meisten Erwachsenen verlernt haben, Kinder jedoch noch perfekt beherrschen.

Die wenigsten Geschändeten schaffen es, aus der Opferrolle herauszukommen.

Sehr, sehr viele haben die Erlebnisse ihrer frühen Kindheit so verdrängt, dass sie sich wirklich nicht daran erinnern. Selbst wenn die Symptome klar auf Schändung deuten, ist es schwer, das Ungeheuerliche überhaupt zu denken.

Mir gelang es erst, als ich über Vierzig war, mich mit den Tatsachen zu konfrontieren. Da kamen auch die Erinnerungen und Bilder wieder und ich konnte mich daran machen, diese Erlebnisse zu bearbeiten (teils mit der Unterstützung zweier Therapeutinnen, teils mit der Hilfe meines Mannes und teils mit entsprechender Literatur).

Motiviert hat mich am meisten die Einsicht, dass ich dem Schänder Vorschub leiste und zuarbeite, wenn ich nicht aus meiner Opferrolle, in der ich natürlich die ganze Zeit war, herauskomme.

Als Erwachsene liegt die Verantwortung, ob ich Opfer bleiben will oder nicht, bei mir!

Wenn du dich über etwas beschwerst, bist du Opfer. Das gilt für alle Lebensbereiche. Opfer haben aufgegeben, verloren. Sie reagieren.

Nicht-Opfer handeln, egal was geschehen ist. Sie bringen sich Schritt-für-Schritt dazu, aktiv zu zu sein, zu agieren. Sie haben gekämpft und gewonnen. Daran kannst du sie erkennen.

In einem Gespräch hören Gewinnerinnen zu, während Opfer warten bis sie endlich an der Reihe sind zu reden.

 
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